Mit Künstlicher Intelligenz die Welt verbessern

January 18, 2019 Julia

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Alexander hat an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) Informatik studiert und promoviert. Seit 2016 arbeitet er bei ZEISS in Jena in der zentralen Forschung. Dort beschäftigt er sich vor allem mit Künstlicher Intelligenz und versucht mit seinen Kollegen, ZEISS Systeme noch intelligenter zu machen.

Wie kam es, dass Du in Jena Informatik studiert hast?

Ich bin in Erfurt geboren und mit Umwegen über das Ruhrgebiet und Gotha wieder dort gelandet. Nach meinem Abitur 2006 am Spezialschulteil des Albert-Schweitzer-Gymnasiums hatte ich überlegt, wie es weitergeht. Ich wollte damals irgendetwas mit Datenbanken oder Softwaretechnik machen. Zunächst hat mich die Uni in Potsdam sehr interessiert, aber mir hat die eingeschränkte Vertiefungsrichtung nicht so gut gefallen. Jena war da offener. Außerdem war es nicht zu weit weg, aber doch weit genug.

Für welche Vertiefung hast Du Dich denn entschieden?

Während des Studiums habe ich erstmal alles gehört, was man hören konnte. Ich wollte wissen, was es alles so gibt. Am meisten haben mich dann die Themen „Machine Learning“ und „Computer Vision“ gereizt, mit denen ich mich auch heute noch beschäftige; es geht im Grunde genommen darum, wie man Maschinen oder Roboter in die Lage versetzen kann, ihre Umgebung wahrzunehmen und zu verstehen. Dabei hat mich besonders interessiert, wie man Computern beibringt, schlaue Fragen zu stellen und quasi so zu lernen, wie unsere Kinder lernen. Ein spannendes Feld, weil es Mathematik, Informatik und Anwendungswissen zusammenbringt. Ich habe alle Studienarbeiten, meine Diplomarbeit und auch die Promotion diesen Themen gewidmet.

 

 

Warum wolltest Du nicht an der Uni bleiben?

Eigentlich hatte ich vor, eine Standard-Karriere im akademischen Bereich zu absolvieren. Die Arbeitsgruppe um Prof. Denzler an der FSU war damals bereits sehr gut aufgestellt, sodass ich tolle Bedingungen hatte. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, drei Monate in Berkeley zu verbringen, um zu forschen. Dann kam aber ZEISS ins Spiel. In einigen Anwendungsprojekten hatte ich während meiner Promotion auch mit ZEISS zu tun. Einer meiner heutigen Kollegen meinte damals, dass ZEISS Mitarbeiter mit meinem Hintergrund sucht, um die vielen Daten, die anfallen, sinnvoll zu nutzen. Ich kannte das Unternehmen grob und habe mich mit dem, was ZEISS macht, sehr wohl gefühlt, sodass ich 2016 in der zentralen Forschung angefangen habe.

Was meinst Du mit Wohlfühlen?

Wenn ich heute über ZEISS und meine Arbeit Vorträge halte, stehen die oft unter dem großen Thema „Die Welt besser machen“. Das klingt zwar etwas pathetisch, aber ich bin überzeugt, dass die Sachen, die ZEISS macht, der Gesellschaft wirklich etwas bringen. Etwa mit der Medizintechnik, der Mikroskopie oder der Messtechnik. Das heißt, wir helfen den Menschen, besser zu sehen, länger zu leben, die Autos sicherer zu machen – also alles echt coole Sachen. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.

Gab es denn schon Projekte, an denen Du mitgearbeitet hast, die bereits eingesetzt werden?

In der Medizintechnik habe ich an neuen Algorithmen gearbeitet, die Aufnahmen des Auges automatisch analysieren und bei dem Verdacht auf bestimmte Krankheiten einen Besuch beim Arzt empfehlen. Damit können sich auch Personen im ländlichen Raum regelmäßig durchchecken lassen, selbst wenn der nächste Arzt weit entfernt ist. Auch in der industriellen Qualitätskontrolle haben wir unter dem Stichwort Industrie 4.0 ein paar spannende Sachen gemacht, die jetzt Schritt für Schritt ihren Weg in unsere Produkte finden. Allgemein ist es so, dass wir in der Konzernforschung für alle Bereiche, in denen ZEISS aktiv ist, Lösungen entwickeln – aber immer mit Blick auf konkrete Probleme. Das ist vielleicht der größte Unterschied zur akademischen Forschung: es ist viel greifbarer und dadurch eine spannende Motivation für mich.

Kannst Du Deinen Arbeitsalltag beschreiben?

Unser Team besteht derzeit aus neun Personen und ist auf die Standorte München, Oberkochen und Jena verteilt. Kurz nach neun treffen wir uns täglich in einem virtuellen Meeting und bringen uns auf den neuesten Stand, besprechen Aufgaben und Probleme. So kann man gut sehen, was die Kollegen machen und erhält einen Einblick in alle Themen. Wir planen unsere Projekte im Zwei-Wochen-Rhythmus je nach Priorität, präsentieren dann die Ergebnisse dem Team und machen einen neuen Plan. Durch das agile Arbeiten kann ich auch in Projekte springen, die mich interessieren und sehe und lerne dadurch unheimlich viel. Außerdem betreue ich Bachelor- oder Masterarbeiten, halte Vorträge, gehe auf Tagungen und erzähle den Leuten gern, was ich mache.

Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen sind ja Megatrends – wie denkst Du darüber?

Die Informatik ist meiner Meinung aktuell in einer sehr interessanten Lage. Sie stellt Methoden bereit, die unsere Gesellschaft in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten maßgeblich verändern werden. Ich fände es schade, wenn man die Informatiker damit allein lässt, zu überlegen, was man mit KI alles machen kann. Das sollten wir lieber alle zusammen entscheiden. Dafür müssen aber auch alle wissen, was mit KI alles möglich ist, um dann herauszufinden, wo und wie wir die Themen in den Naturwissenschaften, in der Medizintechnik oder im Alltag sinnvoll einsetzen können.

Was ist mit den Schwachstellen?

Meine Lieblingsantwort als Informatiker ist immer: Es kommt darauf an. Software ist ja prinzipiell nie fehlerfrei. Allerdings ist die Technologie in manchen Bereichen schon so weit, dass es unsinnig wäre, sie nicht zu nutzen. Ich war beispielsweise lange kein Freund von Spracherkennung, weil sie einfach nicht so gut funktioniert hat. Mittlerweile spreche ich auch mit meinem Handy. Auch Fahrerassistenzsysteme sind heute so etabliert und robust, dass sie aus den Autos nicht mehr wegzudenken sind.

Was können die Computer besser als wir Menschen?

Computer können aus vielen Erfahrungen heraus lernen, einzelne Aufgaben wesentlich besser und schneller zu lösen als wir Menschen. Sie ermüden nicht und können mit mehr als zwei Augen im sichtbaren und infraroten Bereich sehen. Menschen können sich hingegen schnell in neue Themen einarbeiten, können auf vorhandenem Wissen aufbauen und abstrahieren und das auch noch alles gleichzeitig. Maschinen können nicht gleichzeitig Treppen steigen, Sprachen verstehen, Rechnen und künstlerisch arbeiten. Aber eigentlich geht es ja gar nicht um Mensch gegen KI. Stattdessen können wir sie als ein Werkzeug verwenden, was uns geschickt unterstützen kann, wenn wir an unsere biologischen Grenzen kommen – also nicht als gruseliger Terminator, sondern eher als smarter Helfer.

Apropos mehrere Dinge gleichzeitig tun. Was machst Du in Deiner Freizeit?

Ich verbringe so viel wie möglich Zeit mit meiner Familie. Ich habe eine kleine Tochter, die anderthalb Jahre ist und die bald ein Geschwisterchen bekommt. Außerdem spiele ich mehrere Instrumente, dazu gehören Klavier, Gitarre, Bassgitarre und Schlagzeug – mein E-Schlagzeug habe ich mir übrigens von meinem ersten Gehalt bei ZEISS gekauft. Ich spiele in einer Band und auch mit den Kollegen zusammen auf der Weihnachtsfeier. Und, ich habe ich vor einiger Zeit das Bouldern, also Klettern ohne Seil, für mich entdeckt – die Kombination aus Kraft, Geschick, Gleichgewicht, und 3D-Denken macht extrem viel Spaß und ist außerdem noch ein super Rückentraining als Ausgleich zum Computer-Alltag!

Vielen Dank für das spannende Gespräch.

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